traurige Nachrichten und eine tansanische Beerdigung..

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Hallo ihr Lieben,
Am Montag, als ich morgens zur Arbeit kam, gab es leider eine sehr traurige Arbeit: Die Nichte einer der Frauen, die die NGO leiten, ist am Samstag verstorben. Sie war erst 25 Jahre alt und hinterlässt 2 kleine Kinder. Die kleine Tochter ist erst 5 Monate alt!
Am Montag wurde uns noch erzählt, dass sie einen Streit mit ihrem Freund hatte und sich darauf hin vergiftet hat. Allerdings kam uns das ein wenig komisch vor, denn wer bringt sich schon wegen einem einzigen Streit um, noch dazu, wenn man 2 kleine Kinder hat?
Gestern wurde dann gesagt, dass sie gerne getrunken hat und auf den Streit ganz viel pombe (selbstgebrautes Bier) getrunken hat. Das ist halt nicht immer so super und damit hat sie sich dann wohl ungewollt vergiftet. Im Krankenhaus ist sie dann gestorben.

Da war dann Montag und gestern kein Unterricht, da sie direkt neben uns gewohnt haben und aus Respekt die Arbeit dann 2 Tage geruht hat. Am Montag hab ich nur den Schülern, die da waren, die Mathetests zurückgegeben und verbessert. Um 11 Uhr sind wir dann zum “pole” sagen, also zum Beileid ausdrücken zu der Familie ins Haus. Da sitzt man dann am Boden und unterhält sich ein bissl, nachdem man allen Familienmitgliedern die Hand gegeben hat und pole gesagt hat. Wir hatten dann auch abwechselnd die kleine Ester auf dem Arm, die sich vermutlich später nicht an ihre Mutter erinnern wird.

Gestern war dann die Beerdigung. Wir waren um 9 Uhr bei Good Hope und haben dann erstmal mit der Nachbarschaft gekocht, also Pia und ich haben Zwiebeln geschaelt, weil die afrikanischen Mädels und Frauen beim Kohl dann gleich ausgelacht haben und uns eine andere Aufgabe gegeben haben. Allerdings lässt man hier auch keine Zeit auszuprobieren, sondern der Kohl wurde uns gleich aus der Hand genommen. Zum traditionellen Kochen muss ich sagen, dass das sehr beeindruckend ist. Auf Feuerstellen mit übergroßen Töpfen und sehr großen Kochlöffeln. Hat schon was irgendwie. Nach dem Schnippeln habe ich mir bei Oliver (der Tante der Verstorbenen) einen Kanga ausgeliehen, weil ich selber noch keinen habe. (Ein kanga ist ein Baumwolltuch mit meinem Spruch drauf). Meins war kein richtiger kanga, aber es hat seinen Dienst getan. Ein kanga ist traditionell afrikanisch und wenn man ihn bei der Beerdigung trägt, zeigt man damit Respekt. Und dann sind wir zur Beerdigung gegangen bzw. vorher war noch Trauerfeier. Da saßen wir auf unseren Stühlen und haben erstmal gewartet, gewartet und gewartet.

Einige Gäste sind bereits um 9 Uhr morgens losgefahren, um die Leiche aus dem Krankenhaus zu holen. Zurückgekommen sind sie dann letztendlich um 13 Uhr. Die Warterei wurde mit Gospelsongs aus dem CD Player verkürzt außerdem gab es einen Herren, der durch den Tag geführt hat, also Ansagen gemacht hat. Als die Leute mit dem Sarg zurückkamen, ging erstmal das Weinen los. Die Leute haben wirklich ihre Tränen so lange zurückgehalten, bis der Sarg ankam. Ich glaub, ich hätte das nicht gekonnt. Der Sarg wurde dann ins Haus gebracht und oben aufgemacht und die Familie konnte sich von ihr verabschieden.

Was ich echt komisch fand, war, dass noch während sich ein Teil der Familie verabschiedete, das Buffet aufgebaut wurde. Komische Reihenfolge irgendwie. Ja, dann wurde erstmal gegessen. Und es wurde richtig aufgetischt, auch nyama (Fleisch) gab es. Ich will garnicht wissen, was diese Beerdigung für ein Vermögen gekostet hat. Vor allem waren auch nicht wenige Leute da.

Nach dem Essen wurde der Sarg dann nach draußen getragen und jeder konnte sich am halboffenen Sarg verabschieden. Dazu wurde dann eine Schlange gebildet und man ging schön brav daran vorbei. Danach hat man sich ein Auto gesucht und ist zum Friedhof gefahren. Da kamen dann nochmal eine ganze Menge mehr Leute. Auf dem Friedhof waren es bestimmt 200 Leute und das waren wohl noch wenige für eine afrikanische Beerdigung. Wir standen erst ein wenig entfernt, sind dann, als wir eine Rose in die Hand gedrückt bekommen haben, doch weiter vor in die Nähe des Grabes. Während das Grab zugeschüttet wurde, wurden allerlei Lieder gesungen. Am Ende hat dann jeder seine Rose auf das Grab gesteckt.

Es war alles so traurig, obwohl ich die Frau nur vom Sehen kannte, aber immerhin ist sie doch nur 2 Jahre älter als ich und hinterlässt zwei zumesse Kinder. Der Große, der ca. 4 Jahre ist, hat das noch garnicht richtig verstanden und turnte gestern noch schon fleißig durch die Gegend.
Rest In Peace.

Heute war dann ganz normaler Betrieb wieder, aber diese Woche ist ziemlich viel, was normalerweise nicht ist, denn morgen fahren wir mit den Frauen und den Kids zu den Wasserfällen. Das ist der Abschiedsausflug von einer Mitvolunteerin, die sich am Wochenende erst auf die Reise begibt und dann wieder heimwärts startet. Während ihr daheim als eingeschneit seid, genieße ich das gute Wetter hier.

So, ich geh jetzt dann evtl. doch mal ins Bett – Usiku mwema!
Kathi

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