Reise nach Tanga

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Soo, nachdem ich jetzt schon Rüge bekommen habe, warum ich denn so lange nicht geschrieben habe, gibt’s jetzt mal wieder einen Blog. Bevor ich aber jetzt tausend Ausreden schreibe, warum ich meinen Blog nicht aktualisiert habe, fang ich lieber mal an zu erzählen und rolle das Feld von hinten auf, d.h. ich fange mit dem letzten Ereignis an:

Das war meine Reise nach Tanga. Nach 6 Monaten Beziehung bin ich vor gut 3 Wochen mit meinem Freund in die Region Tanga aufgebrochen, um seine Familie kennenzulernen. Das ist hier ein großer Schritt und zeigt, dass die Beziehung ernst ist.

Sonntagmorgen sind wir hier von Moshi losgefahren nach Tanga Stadt. Eigentlich braucht man ca. 5 Stunden mit dem Bus, allerdings sind wirklich viele Straßenarbeiten zwischen Moshi und Mombo, einem Ort bei den Usambara Bergen. Und wir haben einen Fehler gemacht: Wir sind nämlich in einen kleinen Bus gestiegen, der eigentlich dafür bekannt ist, schneller zu sein. Auf den Ausweichstraßen aber war er sehr viel langsamer und wir haben wahnsinnige 8 (!!) Stunden gebraucht. Die Konsequenz war dann, dass wir unseren Anschlussbus in das Dorf, in dem Yonas Tante wohnt, und der nur einmal täglich fährt, verpasst haben. Nun gut, Gott sei Dank hat Yona viele Verwandte und so hat er kurzerhand eine Tante, die in der Stadt wohnt, angerufen, ob wir nicht bei ihr schlafen können, was natürlich kein Problem war. Obwohl selbst Yona mit der Tante bisher nur über Telefon kommuniziert hat, haben sie uns sehr herzlich aufgenommen. Haben dann dort 2 Nächte verbracht. Ich war die große Attraktion und jeder, der hörte, dass Yona und ich dort zu Besuch waren, kam vorbei um uns zu begrüßen und ein kleines Pläuschen zu halten.

Yonas Tante wohnt mit ihren zwei Töchtern in einem kleinen Zimmer, dass als Wohn-,Schlaf- und Abstellzimmer dient. Bad und Klo teilen sie sich mit den Nachbarn. Obwohl sie wirklich nicht viel haben, war es selbstverständlich für sie, uns das Zimmer für die Nächte zu überlassen. Sie selbst sind mit einer Matratze, die an der Wand hängt, zu Freunden in demselben Gebäudekomplex gegangen und haben dort geschlafen. Gastfreundschaft pur!

Am Montag haben Yona und ich dann Tangas Innenstadt ein bisschen unsicher gemacht und sind durch die Straßen gelaufen. Abends haben wir dann noch einen Onkel Yonas besucht.

Am Dienstag sind wir dann weiter gefahren zu Yonas Tante in ein kleines Dorf ca. 2 Busstunden von der Stadt entfernt. Da es dort manche Lebensmittel nur sehr schwer oder sehr teuer zu kaufen gibt, waren wir vorher in Tanga noch auf dem Markt und haben ein bisschen eingekauft: Reis, Zucker, Öl, Tomaten und Zwiebeln waren das Gastgeschenk. Die Busfahrt selbst war grauenhaft, weil so viele Leute reingepfercht wurden und es ewig gedauert hat. Von der Bushaltestelle in Mjesani war’s dann aber wirklich nicht mehr weit. Yonas Tante wohnt mit ihrem Mann, seiner Mutter, ihrer Mutter und einer Enkelin auf einem recht großen Grund mit 2 verschiedenen Häusern, einem Lehmhaus, in dem Yonas bibi (Oma) schläft und in dem sich auch die Küche befindet. Und dann gibt es noch das Haupthaus, in dem die restlichen Schlafzimmer und das Wohnzimmer untergebracht sind. Nicht fehlen darf natürlich auch das Klo- und Duschhäuschen, was ein bisschen abseits war. In dem kleinen Dorf gibt es weder Strom noch fließend Wasser. Wasser bekommt man dort aber trotzdem relativ leicht am Fluss, der nur ca. 5 Gehminuten entfernt ist. Die Dunkelheit wird mit Kerosin- oder Batterielampen bekämpft. Und gekocht wird sowieso ganz anders als bei uns – nämlich auf Feuerholz.

Ich wurde richtig herzlich willkommen geheißen und Yona und ich bekamen sogar ein gemeinsames Zimmer. In den nächsten 2 Tagen haben wir dann ein bisschen die Umgebung erkundet, waren gemeinsam am Fluss Wasser holen und sind ein bisschen in der Umgebung des Ortes rumgelaufen. Während ich morgens auch noch ein bisschen im Bett liegen geblieben bin, ist Yona meistens schon recht früh aufgestanden und hat beim arbeiten geholfen: Kühe melken, Kälber zum Weideplatz bringen usw. Die Familie hat nämlich sowohl Rinder als auch Ziegen. Ein kleines Ziegenbaby hat es mir besonders angetan- ich hätte es gerne mitgenommen, aber leider war das nicht möglich.

Am Freitag sind wir dann weitergefahren nach Bagamoyo zu Yonas Vater. Dazu mussten wir erst ins Stadtzentrum zurück um dann weiterzufahren (Ok, gut, wir hätten auch direkt fahren können, aber wer mich kennt, weiß, dass ich mich sehr schwer damit tue, früh aufzustehen…und es war auch kein Umweg!).

Dort angekommen haben wir zuerst eine Kleinigkeit gefrühstückt, was sich kurze Zeit später, als wir bei Yonas Cousine und ihrem Mann unseren ersten Besuchsstop machten, als Fehler herausstellte. Dort gab es nämlich noch einmal chai und etwas zu essen. Nach gefühlten Stunden ging es dann auf die andere Straßenseite zu Yonas Vater, der schon den ganzen Vormittag auf uns gewartet hatte. Auch dort bezogen wir unser eigenes Zimmer, das diesmal aber nicht so komfortabel war. Yonas Vater wohnt in einem Lehmhaus. Genau wie in Mjesani gibt es auch in Bagamoyo weder Strom noch fließend Wasser. Der Unterschied hier ist, dass während es bei Yonas Tante sehr nahe eine Gelegenheit gibt, Wasser zu holen, Yonas Vater sehr weit mit dem Fahrrad fahren muss und dann, an der Wasserstelle angekommen, nicht immer Wasser vorfindet.

Das Wochenende bei Yonas Vater bestand vorallem darin, ganz viele verschiedene Verwandte Yonas zu besuchen, Tanten, Geschwister, die Familie seiner verstorbenen Mutter. Das war mit der anstrengendste Teil für mich, weil ich zwar recht gut Kiswahili spreche, aber doch nicht fließend und ich manchmal auch einfach nur daneben saß und nichts verstanden habe. Trotzdem war es natürlich interessant und schön, so viele von Yonas Verwandten kennenzulernen. Am Sonntag waren wir im Gottesdienst, der teilweise mehr einer Comedyshow geglichen hat irgendwie und nicht so mein Ding war.

Montag sind wir dann über Tanga wieder zurück zu Yonas Tante gefahren, um dort noch ein paar Tage zu verbringen. In dieser Zeit haben wir dann noch alle Dinge gemacht, die noch so ausstanden: zur Fabrik auf den Berg laufen, noch weitere Spaziergänge durch die Gegend, Kühe melken (für mich 😉 ), Yonas alte Grundschule besuchen und natürlich das gute Essen weiterhin genießen. Yonas Tante kocht echt richtig gut! Am meisten vermisse ich die Mandazi (Teigtaschen), die ich sonst noch nirgends gesehen habe und den chai ya maziwa, Tee mit frischer Milch direkt von der Kuh. Yammie!
Am Freitag sind wir zurück nach Tanga Town gefahren um dort nochmal 2 Nächte zu verbringen. Freitag haben wir eigentlich nur relaxt und mit Yonas Familie verbracht und am Samstag sind wir erst nach Amboni, ein kleines Dorf auf dem Weg nach Mombasa, gefahren, um dort Wasser von den heißen Quellen dort für seine Tante hier in Moshi zu holen und nachmittags waren wir dann noch am Strand und haben am letzten Tag unseres Aufenthalts dann endlich auch das Meer gesehen! 😉

Am Sonntag haben wir die Heimreise angetreten und ich muss sagen, dass ich doch froh war, als ich wieder in meinem gewohnten Umfeld in Moshi daheim war.

Mein Fazit: Es war richtig schön, Yonas Familie kennenzulernen, vorallem, da ich so herzlich aufgenommen wurde. Außerdem war es auch eine Reise in Yonas Vergangenheit, Kindheit und Jugend und auch das war richtig interessant zu sehen. Allerdings war es auch echt anstrengend, da es doch so mega anders war und man sich das in Deutschland garnicht vorstellen kann und es dadurch auch richtig viele neue Eindrücke waren, die es zu verarbeiten gab und Leute kennenzulernen.

So, und da es bestimmt noch sehr vieles zu erzählen gebe, der Text aber eh schon so lang ist, dass ich jedem gratuliere, der bis hierher gelesen hat, gibt’s jetzt einfach noch ein paar Fotos und ich sage dann: bis nächstes Mal! (Was nicht so lange dauern wird, ich verspreche es!)
Liebe Grüße,
Kathi

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Am Strand in Tanga.

Am Strand in Tanga.

Yona und seine Cousine Gladness.

Yona und seine Cousine Gladness.

Sonnenuntergang! :)

Sonnenuntergang! 🙂

Zimmer und unser Bett in Tanga Stadt.

Zimmer und unser Bett in Tanga Stadt.

Anna beim Tee absieben.

Anna beim Tee absieben.

Der Fluss in Mjesani, vom dem die Leute auch immer ihr Wasser holen, aus anderer Perspektive.

Der Fluss in Mjesani, vom dem die Leute auch immer ihr Wasser holen, aus anderer Perspektive.

Posen am Fluss!

Posen am Fluss!

Rinder.

Rinder.

Haus von Yonas Tante.

Haus von Yonas Tante.

Die Mutter von Yonas Onkel beim Geschirrspülen.

Die Mutter von Yonas Onkel beim Geschirrspülen.

Yonas Oma.

Yonas Oma.

Frühstück. Chapati, mandazi und Chai mit Milch. :)

Frühstück. Chapati, mandazi und Chai mit Milch. 🙂

Eine der Lampen, die uns abends die Dunkelheit ein bisschen erhellten.

Eine der Lampen, die uns abends die Dunkelheit ein bisschen erhellten.

Mein erster (und letzter) Melkversuch.

Mein erster (und letzter) Melkversuch.

Rumblödeln. :)

Rumblödeln. 🙂

Und nochmal Rumblödeln. :)

Und nochmal Rumblödeln. 🙂

Yona, ich und sein Vater

Yona, ich und sein Vater

Das Haus von Yonas Vater.

Das Haus von Yonas Vater.

Das Zimmer, das wir bei Yonas Vater bezogen haben.

Das Zimmer, das wir bei Yonas Vater bezogen haben.

Feuerstelle bei Yonas Vater.

Feuerstelle bei Yonas Vater.

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One response »

  1. Hallo Katharina,

    danke für Deinen ausführlichen Post. Prima, dass es Dir gut geht. Als ich im März von Moshi mit unseren Freunden nach Lushoto gefahren bin war die Hauptstraße auch schon von vielen staubigen Ausweichstrecken gesäumt. An die Fahrzeit erinnere ich mich nicht mehr. Für mich war jeder Eindruck so spannend, dass die Fahrt trotzdem schnell verging. Wir hatten auch einen Geländewagen zur Verfügung.
    Die Usambara-Berge sind landschaftlich sehr schön, interessante Natur und Tierwelt dort, durch die Höhe angenehmes Klima. Auf jeden Fall einen Besuch wert.

    Alles Gute Dir und Yona weiterhin.
    Dimi

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