Schweres Einleben und viele Unterschiede…

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Hallo ihr Lieben,

Seit fast 2 Wochen bin ich also schon wieder in Deutschland. Und wirklich angekommen bin ich immer noch nicht. Die erste Woche war vorallem sehr komisch und ich habe kaum was gemacht. Mittlerweile habe ich zumindest wieder Lust, Freunde zu treffen und freue mich sogar schon darauf, wenn am Montag mein Studium weitergeht. Und trotzdem hängen meine Gedanken immer noch den größten Teil des Tages in Tansania fest. Bei Good Hope: Wie geht es den Frauen? Wie geht es den Schülern? Wer unterrichtet jetzt? Was unterrichten die anderen? Machen die Schüler gut mit oder machen sie viel Schmarrn? Vermissen sie mich?

Ich vermisse sie definitiv. Letzte Woche habe ich sogar mit einem Teil der Schüler geskypt. Das war so schön.<3 Ich vermisse es, sie zu unterrichten. Auch die Fortgeschrittenen-Klasse, die teilweise wirklich unaufmerksam und quengelig und ja, auch manchmal nervig war, aber ich vermisse es trotzdem, sie zu unterrichten.

Zudem ist hier alles so anders:

Das Wetter: Ja, das liebe Wetter. Als ich aus dem Flughafen rausgekommen bin, habe ich doch glatt einen Schock bekommen. Ungefähr 20 Grad Temperaturunterschied!! Brrr, ist das kalt hier. Und das Schlimme: es wird ja auch immer kälter in nächster Zeit. Im Radio habe ich gestern gehört, dass es am Freitag schneien soll! Ja, danke auch…

Die Autos: Ja, das Auto meiner Eltern ist schon eine andere Hausnummer als die Autos in Tansania, definitv. Auch die anderen Autos auf der Straße sind anders, neuer, moderner als die Autos auf Tansanias Straßen.

Die Straßen: Alle Straßen hier in Deutschland sind, anders als in Tansania, geteert. Keine Allwetterpisten mehr, keine Dellen in der Straße. Kein Staub mehr.

Die Sprache: Durch die vielen anderen Volunteers habe ich ja doch auch in Tansania recht viel Deutsch gesprochen, hab das also nicht verlernt und empfinde es auch nicht als komisch, es jetzt wieder mehr zu sprechen, ABER kein Kiswahili mehr zu sprechen ist doch echt komisch. Ich spreche nurnoch Kiswahili, und dann auch nicht immer, wenn ich mit meinem Freund bzw. anderen Leuten aus Tansania spreche. Dafür bin ich jetzt wieder viel mehr im Bayrisch drin.

Das Essen: Nicht nur, dass es hier nicht mehr die typischen tansanischen Gerichte gibt (Wobei, am Freitag werde ich für meine Eltern Ugali kochen.), nicht mehr nur Fleisch vom Rind und Ziege, nur ein paar verschiedene Fischsorten. Nein, die Zusammenstellung einer Mahlzeit ist einfach auch ganz anders. In Tansania besteht der Großteil des Essens aus sattmachenden Kohlenhydraten, vorallem Reis und Ugali. Gemüse und Fleisch/Fisch ist Beilage. Hier in Deutschland ist es umgekehrt: Fleisch/ Fisch und Gemüse ist Hauptbestandteil und Kohlenhydrate nur die Beilage. Man kann es sich halt leisten. Auch wird in Tansania in der Regel zweimal am Tag warm gegessen, hier gibt’s nur eine warme Mahlzeit, was ja auch wirklich reicht. Auch habe ich jetzt endlich wieder ein leckeres Vollkornbrot wieder, dafür aber auch keine Chapati oder Mandazi mehr.

Die Kleidung: In Tansania haben die Frauen so schöne Kleider und Kostüme, die aus Kitenge, also typisch afrikanischen Stoffen, geschneidert werden. Hier geht man shoppen in Läden wie Esprit und S.Oliver. Hab ich ja auch schon gemacht, aber es ist trotzdem irgendwie komisch. Und auf der Wiesn (für Nicht-Bayern, die das evtl lesen: Oktoberfest 🙂 ) war ich auch schon. Das Dirndl und afrikanische Kleidung sind wirklich sehr, sehr gegensätzlich.

Geld: Das offensichtliche bei Geld ist natürlich die andere Währung. Während ich weg war, wurde auch ein neuer 5-Euro Schein eingeführt, an den ich mich definitiv noch gewöhnen muss und bei den Münzen such ich mich manchmal noch dumm und dämlich. Aber nicht nur die andere Währung ist wieder gewöhnungsbedürftig, auch die Sorglosigkeit, mit der hier Geld ausgegeben wird und auch, wie sorglos ich teilweise schon wieder Geld einfach ausgebe, macht mich nachdenklich: da wird halt dann mal 10 Euro für eine Maß Bier auf der Wiesn ausgegeben ohne groß darüber nachzudenken. Und bei einer Maß bleibt es ja dann meistens auch nicht… Darüber, dass der Gegenwert, nämlich ca. 20 000 TSH, in Tansania wirklich viel Geld ist und die Leute damit eine Woche oder länger auskommen, denkt man dann oft garnicht mehr so nach. Das Materielle ist hier generell so wichtig. Als ich am Sonntag meine kleine Cousine und meinen Cousin wiedergetroffen habe, hatten die sofort als Beschäftigung ein Spielzeug in der Hand. Nicht, dass das jetzt negativ wäre, aber das gibt es in Tansania einfach nicht. Da müssen sich die Kinder selber beschäftigen ohne Spielsachen.
Gestern in der S-Bahn nach München war auch eine Schulklasse, so 6. Klasse ungefähr. Die Mädls haben sich wie wild über Iphones unterhalten und welches sie unbedingt gerne noch hätten. Oder auch am liebsten ein Ipad…Da konnte ich nurnoch mit dem Kopf schütteln.

Busfahren: Die Daladalas und auch die Überlandbusse fahren einfach nur, wenn sie gesteckt voll sind und niemand mehr reinpasst. Hier ist das so anders und es war so ungewohnt, Bus zu fahren mit insgesamt 3 Fahrgästen. Das gäbe es in Tansania bestimmt nicht.

Moschee: Auch hier in Deutschland gibt es Moscheen, aber hier schreit der Muezzin nicht durch die ganze Stadt. Vorallem gibt es hier Nachtruhe, was für mich heißt: nicht mehr von einer Moschee um 5 Uhr morgens geweckt werden!! Ich freue mich!

Strom und Wasser: Sowohl Strom als auch Wasser gibt es hier immer. Man muss sich keine Sorgen machen, dass man abends mal für ein paar Stunden im Dunkeln sitzt, weil plötzlich der Strom weg ist. Auch kann es hier einem nicht passieren, dass man mal für vier Tage am Stück kein Wasser hat, nicht duschen gehen kann. Was im Übrigen das kleinste Übel war, wenn man auch die Toilettenspülung nicht mehr betätigen konnte…

Einkaufen: Hier muss ich jetzt leider wieder alles im Supermarkt kaufen, auch Obst und Gemüse, was mich sehr traurig stimmt. Auf dem Markt war das alles so schön, frische Sachen konnten dort gekauft werden und sogar um den Preis gefeilscht…

Pünktlichkeit: Ja, pole pole (langsam) gibt es hier in Deutschland nichtmehr. In Deutschland ist wieder Pünktlichkeit angesagt. Gott sei Dank hat es nicht so viel ausgemacht, dass ich zum Friseurtermin letzte Woche gleich mal eine Viertelstunde zu spät kam. Das mit der deutschen Pünktlichkeit muss ich mir definitiv wieder antrainieren..

Ihr merkt, ich könnte immer weiter und weiter schreiben und auch jetzt würden mir noch Unterschiede einfallen, aber ich höre jetzt auf, sonst komme ich nie zu einem Ende. Die ganze Lebensweise und Kultur ist einfach so unglaublich anders und vielleicht könnt ihr jetzt besser verstehen, warum es mir so schwer fällt, richtig in Deutschland wieder anzukommen.

Die für mich persönlich größte Umstellung ist allerdings keine der oben genannten, sondern die, dass ich meinen Freund nicht mehr um mich habe und wir uns mit Facebook und Skype begnügen müssen. Das macht den ohnehin schon sehr schweren Umstieg der Kulturen noch viel, viel schwerer und ich kann es garnicht erwarten, im März wieder nach Tansania zu fliegen und ihn wiederzusehen!

Wer jetzt übrigens gedacht, dies wäre mein letzter Blogeintrag gewesen, der irrt, denn ich würde gerne noch 2-3 nachreichen aus meiner Zeit dort in Tansania und würde auch in Zukunft immer wieder mal Updates posten.

In diesem Sinne: baadae,

Kathi

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